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EINMAL IST NICHT GENUG

Nigel Mansell und der Foster`s British Grand Prix 1991

 

Ein Gefühl wie ein Erdbeben. Und mit dem Donnerschlag läuft es dir eiskalt den Rücken herunter, die Schmetterlinge in der Magengegend folgen Sekunden später. Wenn du das erste Mal danebenstehst, wenn die elektronische Gearbox des Williams Renault bei Höchstdrehzahl vom fünften in den sechsten Gang hochschaltet, glaubst du, dir reisst es den Boden unter den Füssen weg. Und wenn du realisiert hast, was da wirklich passiert, dann wartest du voller Spannung auf die nächste Runde, auf das nächste Mal. Silverstone, zweites freies Training zum Foster`s British Grand Prix 1991, kurz vor Abbey an der Frontseite des North Heliport: Das technologische Wunderwerk an der Stelle zu Jahrtausendwende, der Williams Renault FW14 zeigt vor heimischem Publikum unter Nigel Mansell zum ersten Mal sein volles Potential. Als Mansell und der Williams trotz Getriebeschadens 10 Runden vor Schluss und dem Verlust eines Auswuchtgewichts ( der zum ausserplanmässigen Boxenstop in der 36. Runde zwang) gewinnen, 200 000 Zuschauer nicht nur dem Sieger, sondern auch Sennas ohne Treibstoff in der Club Curve liegengebliebenem, nun am Abschleppseil hängenden McLaren Honda applaudieren, ist sie wieder da, die Atmosphäre aus der Epoche eines Jim Clark und eines Graham Hill. Da lässt Premier John Major in 10 Downing Street die zum Weltwirtschaftsgipfel der sieben führenden Industrienationen einschliesslich des aus Moskau erstmals hinzugezogenen Michail Gorbatschow eine geschlagene halbe Stunde warten, um Mansell telefonisch zu gratulieren. Da strömen hundertausende, mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Grand Prix an die Pisten, sieht man auf den Campingplätzen Zelte und Motorhomes, soweit das Auge reicht. Und da sitzt mehr als ein Fünftel der Menschheit jeden zweiten Sonntagnachmittag gespannt vor dem Fernsehschirm. Erstmal produzieren FIA und FOCA 1991 ihr eigenes TV-Programm, Inside Track (später: Grand Prix Magazin) informiert jeden Mittwoch oder Donnerstag nach einem Grand Prix aus erster Hand und avancierte binnen kurzer Zeit zu einem der Top-Fernsehmagazine.

Die Formel 1 im totalen Medienzeitalter, vertreten auf allen fünf Kontinenten, so weit entfernt, oft so exotisch, doch für alle auch so unheimlich nah, das ist die heimliche Weltmacht des Sports. Und sie hat alles, den nationalen wie den internationalen Aspekt, die wirtschaftliche aber auch technologische Dimension, extremen Wettbewerb, aber auch soviel menschliche Nähe.

Nigel Mansell: Dieser Mann ist voller Emotionen, die er nicht versteckt, sondern offen zeigt, im Positiven, wie im Negativen. Ein Typ, der nur aus dem Gefühl heraus leben kann und derart auch seine Sachentscheidungen trifft. Schockierend wie der angekündigte Rücktritt in Silverstone 1990. Befreiend wie die Unterzeichnung seines Williams-Kontrakts Monate später. Deprimierend nach vielen, oft unglücklichen Ausfällen, aber auch charmant und fair, wenn er, der sooft leer ausging, seinen härtesten Gegnern zum Erfolg gratuliert. Kein Zweifel, er ist eine komplexe Persönlichkeit, vielseitig talentiert als Elektroniker, Golfer, Hubschrauberpilot, Formel 3000-Teamchef und Geschäftsmann. Als Frank Williams, Patrick Head und Sheridan Thynne ihn nach England heimholten, um ihn an die Spitze ihrer entènte cordiale mit Renault zu stellen, da war nicht nur die britische Nation ausser sich, da gab endlich auch die Fleetstreet Ruhe, deren veröffentlichte Meinung sich jahrelang nicht mit der des Publikums deckte. Und: Die Tifosi lieben ihn natürlich immer noch, auch wenn er mit dem Williams ihre eigenen Ferrari schlägt.

Die hochgezogene Fronthaube (von der es mehrere Versionen gibt, die mit blossem Auge kaum zu unterscheiden sind, die Differenz beträgt rund 20 Zentimeter) so elegant durchkonstruiert, dass man sie kaum als Hochnase erkennt. Das automatische Getriebe, das ohne Gaswegnehmen bei Höchstdrehzahl hochschaltet. Das berühmte reaktive Williams-Aufhängungssystem, angepasst an die Erfordernisse der zweiten Saugmotorära. Dazu das V10 Konzept von Renault, angetrieben vom teuersten synthetischen Treibstoff der Geschichte. Der Williams Renault FW14 war bereits 1991 ein Teil des Grand Prix 2000. Unglaublich: Allein die Kühlerdurchströmung in den seitlichen Kästen erzeugte einen Downforce von jeweils 350 kp.

In Silverstone 1991 jährte sich zum zehnten Male der erste Sieg eines Kohlefaserautos. 10 Jahre danach ist John Watson, nebenan in Eddie Jordans Fabrik, von Weltpresse und Kameras umringt. Auf dem Kurs von Silverstone, mit seinem Start-und Zielbereich in der Grafschaft Northamptonshire, mit dem Airfield und seinen langen, schnellen Geraden aber auf dem Boden von Buckinghamshire gelegen, seinen fast mythologischen Streckenbezeichnungen, diesem ehemaligen Militärflughafen, auf dem die Kampfflieger zum Angriff gegen Hitler-Deutschland starteten, wo sie gegen die bedrohlichen V2-Raketen sicher waren, begann am 13. Mai 1950 mit dem Grand Prix von Europa die erste Automobilweltmeisterschaft. Doch als die Red Arrows, wie immer beim British Grand Prix, ihre akrobatische Flugshow vorführen, während die Autos in der Hitze des Mittags bereits zum Vorstart fahren, muss ich an die grauenhaften Bilder von Ramstein 1988 denken, wo bei einer Kunstflugdemonstration einer Staffel der italienischen Luftwaffe 70 Menschen starben und hunderte schwerstens verletzt wurden. Da sitzen Popstars wie George Harrison gespannt auf der Tribüne, da sind die unzähligen Helikopter im Infield geparkt, als seien sie lediglich Personenwagen, da stehen die Zuschauer auf den Erdwällen und Sandbänken diszipliniert, doch voller emotionaler Erwartungshaltung, bis die Menschenmassen in den Horizont übergehen - als Mansell nach verpatztem Start am Ende der Hangar Straight Sennas McLaren aus dem Windschatten heraus überholt, spürt man die Erleichterung in zweihunderttausend Herzen fast körperlich. Sie applaudieren bei jeder Vorbeifahrt des FW14 und als Mansell den in der letzten Runde ohne Treibstoff liegengebliebenen Senna in seiner Ehrenrunde als Autostopper aufsitzen lässt (wobei der Brasilianer einen Streckenposten, der ihn daran hindern will, mit einem kräftigen Tritt bedenkt), erfüllt sie das mit humorvoller Genugtuung. Später auf der Heimfahrt werden sie für eine Meile gezählte 7 Stunden brauchen, wie Northamptons Lokalzeitung am folgenden Montag in bissiger Ironie bereits in der riesengrossen Titelschlagzeile feststellt. Im Daily Express kommentiert James Lawton: "England bestellte, Nigel Mansell lieferte. Es war schliesslich Mansell, der glaubte, dass er die Welt schlagen kann, und sicherlich wird England dies jetzt auch erwarten." Die Times sieht in ihm "Kraft und Perfektion", im Mittelteil des Today erzählt Rosanne Mansell ihre Story des britischen Grand Prix unter dem Titel: "Ich war bei meinem Nigel in jeder Sekunde seines Triumphes" - wohl wissend dass alle Fernsehzuschauer den Today-Werbeaufkleber auf Mansells Helm mittels der im Williams Renault installierten Inboard-Kameras auch hinreichend wahrgenommen haben.

Eine Nation, 1991 mit den Auswirkungen des Golfkrieges und tiefer wirtschaftlicher Rezession kämpfend, feiert seinen Helden und, das soll nicht verschwiegen werden, auch ein bisschen sich selbst, aber so ist das immer bei den Grand Prix in England. Als die Transporter Silverstone über die gebogene Zielgerade, Richtung Woodcote und entgegen der Fahrtrichtung im Schritttempo verlassen, besonders aber, als wir in der Foster`s Bar gleich hinter der McLaren Box kurz nach 22 Uhr nochmals die Fernsehaufzeichnung der BBC, mit Murray Walker, James Hunt und Dr Jonathan Palmer als Kommentatoren, ansehen, muss ich, ob ich will oder nicht, an vergangene Tage zurückdenken.

Am ersten Oktoberwochenende 1985 habe ich in Brands Hatch Nigel Mansells allerersten Grand Prix-Sieg miterlebt - jetzt ist Mansell erfolgreichster englischer Rennfahrer aller Zeiten. Und ich war dabei, als 1979 das Williams Team seinen Premierensieg feierte und Clay Regazzoni wegen der vielen arabischen Sponsoren nicht einmal an der üblichen Champagnerdusche teilnehmen durfte. Heute ist Williams ein absolutes Spitzenteam. Einmal kann in der Formel 1 nie genug sein, denn die treibende Kraft bleibt immer das Gewinnen.

Klaus Ewald

 

 

ONCE IS NOT ENOUGH

Nigel Mansell and the Foster`s British Grand Prix 1991

 

The loneliness of the Grand Prix driver. As far as mechanics and engineers have left the grid the man in the cockpit is absolutely alone. With the formation lap the countdown for the race comes to its end: Nigel Mansell in the Williams Honda FW11 B on pole position of the Hungarian Grand Prix at Budapest 1987.

 

A feeling like an earthquake. And with the clap of thunder you notice an ice-cold shower over your back, the butterflies in the stomach region follow some seconds later. If you stand at the side for the first time, where the electronic gearbox of the Williams Renault goes from fifth to sixth gear automatically at maximum revs, you believe the ground has been taken away from your feet immidiately. And when you have realized, what has happened in fact, you are waiting for the next lap, the next time very, very excited. Silverstone, second free practice for the Foster`s British Grand Prix 1991, shortly before Abbey in front of the North heliport: The technological miracle for the 21st century, the Williams Renault FW14 driven by Nigel Mansell shows his full potential at its homeground for the first time. When Mansell and the Williams have won in spite of a gearbox-trouble 10 laps before the finish and a lost balance-weight (making Mansell come into the pits for an extraordinary wheel change in lap 36) the crowd of 200.000 spectators did not only applaud the winner but also Sennas McLaren Honda run out of fuel at Club Curve now hanging on a towrope, the atmosphere of the epoque of a Jim Clark and a Graham Hill has come back. There is prime ministre John Major, who made the participants of the G7 summit including the for the first time taking part Michail Gorbachev wait for nearly half an hour to congratulate Mansell by phone. There are the thousands of people coming to the tracks, more than ever before in history, and at the camping sites you can see tents and motorhomes until the horizon. And there is a fifth of mankind sitting excited in front of the television screen every second sunday. For the first time FIA and FOCA produce a TV programme of theirown in 1991, Inside Track (later: Grand Prix Magazine) informs each Wednesday or Thursday at first sight and became one of the top TV magazines within weeks.

Formula One in the multi-media age, present on all five continents, so far away, often so exotic, but at the same time so very near, that is the secret power in the world of sports. And there is everything, the national as well as the international aspect, the technological and the economic dimension, extreme competition, but also humanity.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nigel Mansell: This man is full of emotions, that he does not hide but show very freely, in both the positive and the negative way. A character with the biggest heart in the business, also making his decisions lead by feelings. Shocking like his statement of retirement at the 1990 British Grand Prix at Silverstone. Exciting like the signing of another Williams contract some months later. Depressing after many retirements caused by technical failures. Charming and fair when he, often been beaten himself, congratulates his hardest opponents achieving their aims. No, doubt, he is a complex personality, multi-talented as an electronic engineer, golfer, helicopter pilot, Formula 3000 team principal and businessman. When Frank Williams, Patrick Head and Sheridan Thynne took him home to England to put him into the leading position of their entènte cordial with Renault, there was not only the British nation filled with happiness but also the Fleet Street, their published opinion was not the same as that of the people for many years, nearly stopped attacking him. And: The tifosi still love him in spite he is beating their own Ferraris with the Williams Renault.

The high nose-scone ( of that some versions are existing, the difference is about 20 cm) so perfectly designed, that it is nearly impossible to identify it as a high nose. An automatic gearbox, that changes gears at maximum revs with full throttle. There is the famous Williams reactive suspension now adopted to the era of normally aspirated engines. Additionally the V10 concept of Renault, powered by the most expensive synthetic fuel in history. The Williams Renault FW14 was a piece of the year 2000 technology already in 1991. Unbelievable: The air-stream through the radiators produces a negative lift of 350 kp each side.

Silverstone 1991 was the 10th anniversary of a carbon fibre car winning a Grand Prix. Ten years after that John Watson is sitting in Eddie Jordans nearby factory, surrounded by the world`s press and a lot of cameras. On the Silverstone circuit with its start and finish straight lying in the county of Northamptonshire, but with the airfield and its long, fast straights belonging to Buckinhamshire, its nearly mythological names of the circuit parts, this former military airbase, the fighters once started to attack Nazi-Germany being protected against the V2-missiles, there the first Formula 1 worldchampionship had begun on the 13th May, 1950 with the British and European Grand Prix. But when the Red Arrows presented their famous air-show, as ever at the British Grand Prix, the cars were driven to the grid in the heat of midday, I had to think of the Ramstein air-crash some 3 years ago making 70 persons loosing their lives and over 300 badly hurt when an aircraft of the Italian air force crashed into the crowd.

There are pop stars like George Harrison sitting on the grandstands, there are so many helicopters parked in the infield as being simply private owned cars, there are the spectators disciplined standing at the banks filled with emotions, crowds until the horizon - when Mansell, after a poor start, overtook Senna at the end of the Hangar Straight, you could really feel the setting free in the hearts of the 200.000. They were applauding at each passing of the FW14 and when Mansell gave Senna run out of fuel at the last lap a lift back to the pits making him sit on the sidepot of the Williams (a marshall trying to prevent him from the Brazilian kicked him off) they were filled with absolute happiness. Later, on their journey home it will take one hour for only one mile as Northamptons local newspaper reported on Monday with bitter irony. In the Daily Express James Lawton comments: "England ordered, Mansell delivered." The Times notices "Power and Perfection", and in Today Rosanne Mansell tells her story of the British Grand Prix: "I was with my Nigel at any second of his triumph" - knowing exactly millions of TV spectators have seen the Today-sticker at Mansells helmet by the inboard camera.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

A nation, 1991 fighting with the consequences of the Gulf War and deep economic recession, celebrates their heroe and, that should not been denied, a little bit theirselves, but that is always the same at the British Grand Prix. When the transporters slowly leave Silverstone over the bent start-and-finish-straight against the direction of travel through Woodcote, but especially, when we watch the TV recording of the BBC with Murray Walker, James Hunt and Dr Jonathan Palmer as commentators in the Foster`s bar behind the McLaren pit at night, I have to think back of past days no matter if I want to do so or not.

At the last weekend in October 1985 I had experienced Nigel Mansells maiden Grand Prix victory at Brands Hatch - now Mansell is the most successful English racing driver of all times. And I had been there when the Williams team celebrated their first ever victory with Clay Regazzoni in the cockpit of the FW07 in 1979 at Silverstone. Because of the many sponsors coming from Saudi Arabia Regazzoni was not allowed to take part in the champagne shower on the rostrum. The Williams team of today belongs to the top ones in the circus. Once can not be enough in Formula One because the power driving the whole business always is winning.

Klaus Ewald

 

Nigel Ernest Mansell

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geboren/born: 08/08/1953 in Upton-on-Severn/GB

Grand Prix: 187

Siege/Wins: 31

Pole Positions: 32

Schnellste Runden/Fastest Laps: 30

Punkte/Total Points: 480

Weltmeister/Worldchampion: 1992 (Williams Renault)

Indy Car Meister/Indy Car Champion: 1993 (Newman-Haas Lola Ford)

 

Teams:

1980 - 1984: Lotus

1985 - 1988: Williams

1989 - 1990: Ferrari

1991 - 1992: Williams

1993 (Indy Cars): Newman/Haas

1994: Williams

1995: McLaren

 

Fernsehen/Television/Video:

Champions: Nigel Mansell (60 mins)

The Nigel Mansel Story (75 mins)

Mansell and Ferrari (60 mins)

Mansell and Williams (60 mins)

 

 

 

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