DAS EMPIRE KEHRTE ZURÜCK

Das Vanwall Team wurde 1958 erster Konstrukteurweltmeister

 

Die besten Nerven hatte er nicht, und seine immer wiederkehrenden Magengeschwüre bekämpfte er damit, dass er literweise Milch trank: Stuart Lewis-Evans war dennoch ein Ausnahmetalent, begabt wie kaum ein anderer und gefördert vom besten Manager, den die Formel 1 jemals gesehen hat, nämlich Bernie Ecclestone himself. Lewis-Evans war für Ecclestones Connaught Team gefahren, dann aber, im Jahre 1957, ob seiner ausgezeichneten Leistungen in das Vanwall Team des britischen Industriegiganten Tony Vandervell berufen worden. Vandervell hatte sich Grosses vorgenommen; zum einen gedachte er, dem britischen Empire den ersten Grand Prix Sieg seit Segrave in Frankreich 1923 zu schenken, zum anderen wollte er die Automobilweltmeisterschaft als Werbemedium für sein Unternehmen zu nutzen, das eine Reihe von Zulieferteilen für die Automobilindustrie, namentlich Kugellager, produzierte. Begonnen hatte anfangs alles mit einem modifizierten Ferrari, der, technologisch über den italienischen Werkswagen stehend, schon zu jener Zeit über Scheibenbremsen verfügte und den man, wie von der Motorhaube deutlich abzulesen war, Thin Wall Special nannte. Dann wurde der Entschluss zum Bau eines eigenen Motors für die 2,5-Liter-Formel gefasst; Doppelzündung und Bosch-Direkteinspritzung verhalfen ihm zu einer Leistung von 270 PS bei 7400/min. Das Chassis wurde von dem genialen Aerodynamiker Frank Costin - sein Bruder Mike gründete mit Keith Duckworth die berühmte Cosworth Motorenfabrik in Northampton - mit einer stromlinienförmigen Verkleidung versehen. Die Gesamtkonzeption, technisch wie finanziell, stellte sich als äusserst erfolgversprechend heraus; entsprechend gross war der Druck der Öffentlichkeit. Dennoch sollte es bis 1957 dauern, bis sich Siege einstellten, doch dann ging es Schlag auf Schlag. Beim Grand Prix von Europa gewann Tony Brooks, auch bekannt als der rasende Zahnarzt, gemeinsam mit Stirling Moss, der den Wagen ins Ziel steuerte, wobei Autowechsel zu jener Zeit noch möglich waren. Moss siegte im gleichen Jahr noch in den letzten beiden Rennen in Italien, sowohl in Pescara als auch in Monza und wurde schliesslich Vizeweltmeister hinter Fangio.

Das Jahr 1958 indessen wurde zu einem einzigartigen Triumphzug für das Vanwall Team, das 6 von 11 Grand Prix gewann, wobei Brooks in Spa, auf dem Nürburgring und in Monza, Moss in Zandvoort, in Porto und in Casablanca Sieger waren. In der erstmals ausgetragenen Weltmeisterschaft der Konstrukteure ging dann der Titel auch an Vanwall vor Ferrari, der Traum von der Fahrerweltmeisterschaft hingegen blieb ein unerfüllter, und der Schlusslauf in Ain-Diab bei Casablanca sollte mit einer fürchterlichen Katastrophe enden.

Es spricht nicht nur für die Fairneß eines Stirling Moss, sondern auch für seine menschliche Grösse, dass er seinen einzigen möglichen Titel gegen seinen Landsmann Mike Hawthorne nicht vor Gericht erstritt. Moss hatte den Grand Prix von Marokko gewonnen und auch den Zusatzpunkt für die schnellste Runde erzielt, doch Hawthorn hatte den zweiten Platz errungen, der zum Gewinn der Automobilweltmeisterschaft mit einem Punkt Vorsprung gereicht hatte. Doch Hawthorn war infolge eines Drehers von der Piste geraten und hatte einige Meter entgegen der Fahrtrichtung zurückgelegt, was zu einer Disqualifikation allemal gereicht hätte. Aber Moss, von den Sportkommissaren noch vor Ort als Zeuge des Vorfalls gehört, erklärte, Hawthorn habe weder andere Rennteilnehmer gefährdet, noch sich einen Vorteil erschlichen. Hawthorn behielt seinen Titel und erklärte seinen Rücktritt, offensichtlich schon ahnend, dass er infolge seines fortgeschrittenen Krebsleidens nicht mehr lange am Leben bleiben würde. Er starb jedoch nur wenig später auf einer Landstrasse in Grossbritannien, als er mit seinem Privatauto ein ebenso erbittertes wie unvernünftiges Duell gegen den Mercedes von Rob Walker, lange Zeit Teamchef von Moss, ausfocht.

Stuart Lewis-Evans hatte in Casablanca infolge der Explosion des vorn liegenden Triebwerks schwere Brandwunden erlitten und Overalls, die zumindest einen begrenzten Schutz gegen Feuer boten, gab es zu jener Zeit noch nicht. Lewis-Evans hätte noch am gleichen Tag in eine Spezialklinik in England gebracht werden müssen, dann hätte er überlebt, doch die Linienmaschine nach London war bis auf den letzten Platz besetzt und keiner der Passagiere fühlte sich verpflichtet, dem Schwerstverletzten zu helfen, auch der vollste Einsatz Bernie Ecclestones konnte daran nichts ändern. Stuart Lewis-Evans starb am folgenden Montag in einem nur unzureichend ausgerüsteten Krankenhaus in Casablanca, das Vanwall Team zog sich am Jahresende zurück und als Grund gab Tony Vandervell Probleme mit seiner angeschlagenen Gesundheit an. Klaus Ewald

 

Vanwall

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Gefahrene Grand Prix: 28

Siege: 9

Pole Positions: 7

Schnellste Runden: 6

Konstrukteurweltmeister 1958

Fahrer:

Peter Collins (GB), Mike Hawthorn (GB), Stirling Moss (GB), Ken Wharton (GB), Colin Chapman (GB), Roy Salvadori (GB), Tony Brooks (GB), Stuart Lewis-Evans (GB), Piero Taruffi (I), Froilan Gonzalez (RA), Harry Schell (USA)

 

 

 

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