"The Kansas City Flash"

DIE ZEIT & DAS LEBEN DES MASTEN GREGORY

Von Michael Cox, U.S.A

 

Michael Cox aus Kansas City, Missouri, schreibt über den Helden seiner Heimatstadt und legendären Rennfahrer: Masten Gregory

 

 

Die Sportwagen-Legende Carroll Shelby nannte ihn "den schnellsten Amerikaner, der jemals einen Grand Prix-Wagen gefahren hatte." Er erreichte gleich bei seinem ersten Start in einem zur Weltmeisterschaft zählenden Formel 1 Grand Prix einen Platz auf dem Podium (den ersten eines Amerikaners überhaupt) und gewann ebenfalls die 24 Stunden von Le Mans; Formel 1-Legende und Zweifach-Weltmeister Jim Clark betrachtete ihn als sein Vorbild.

Dieser große Fahrer war kein geringerer als der verstorbene Masten Gregory - ein herausragender Grand Prix- und Sportwagenfahrer, der aus meiner Heimatstadt stammte - Kansas City.

Masten war ein wahrer Motorsport-Pionier: Er war der erste in Amerika geborene Fahrer, der regelmässig in der von Europäern dominierten Formel 1 fuhr. Auch war er einer der wenigen Fahrer, die in jener Zeit eine Brille trugen, eine Praxis, die heutzutage ziemlich ungewöhnlich wäre. Mastens Kurzsichtigkeit war so schlimm, dass er Brillengläser brauchte, die, wie Carroll Shelby einmal sagte, "dick wie Cola-Flaschen" waren. Mastens älterer Bruder, Riddelle Gregory (ebenfalls ein Rennfahrer zu jener Zeit), bestätigte seine Kurzsichtigkeit, als er sagte: "Einmal fuhren wir nach Texas und Masten bat mich die Nachtfahrt durch Oklahoma zu übernehmen, weil er bei Dunkelheit nicht sehr gut sehen konnte. Wie Sie wissen, hat er dann in Le Mans gewonnen. Masten mag ohne seine Brille blind gewesen sein wie eine Schlange, aber eine Tatsache war offensichtlich - er war blendend schnell mit ihr.

Masten Gregory wurde am 29. Februar 1932 in Kansas City, Missouri, geboren. Er war das jüngste von drei Kindern, dessen Eltern eine lokale Versicherungsgesellschaft besassen. Sein Vater starb, als er drei Jahre alt war, was seine Mutter später dazu brachte, die der Familie gehörende Versicherung zu verkaufen. Er verliess das Gymnasium, ohne Abitur zu machen, und heiratete im Alter von 19 Jahren.

Masten wurde beschrieben als kleiner, schlank gebauter und bebrillter Mann, der eine überraschend tiefe Stimme mit einem charakteristischen mittelwestlichen Klang hatte. Er sprach mit einer übertriebenen Behutsamkeit, von der man glaubte, sie stamme von der Überwindung des Lispelns in seiner Kindheit. Er war Kettenraucher und sehr unabhängig, aber auch bekannt für seinen trockenen Humor. Sein Interesse am Motorsport erwachte schon sehr früh, als er in den Strassen der Stadt mit einem 1933er Ford Coupè am Drag Racing teilnahm und auch zur Boxenmannschaft im Rennteam seines Schwagers, Dale Duncan, gehörte.

Der Tod seines Vaters spielte später eine grosse Rolle, als er richtig mit dem Motorsport begann. Als seine Mutter das Familiengeschäft verkaufte, bestimmt sie, dass jedem ihrer Kinder zum 21. Geburtstag eine bestimmte Summe Geldes als Anteil am Erbe ausbezahlt werden sollte. Allerdings erlaubte die Tatsache, dass Masten über 18 und bereits verheiratet war, ihm schneller über dieses Erbe verfügen zu können, und so hatte er soviel Geld, dass er sich einen Allard-Sportwagen mit Mercury-Motor kaufen konnte, um damit Rennen zu fahren.

Mastens erstes Rennen war eines vom SCCA veranstaltetes 50-Meilen-Rennen in Caddo Mills, Texas, im November - ein Ereignis, das unglücklicherweise nach nur fünf Runden wegen durchgebrannter Zylinderkopfdichtung endete. Er installierte einen Motor von Chrysler in seinen Allard und das nächste Rennen war in Sebring 1953, wo er etwas mehr als eine von insgesamt 12 Stunden durchhielt, um mit gebrochener Hinterradaufhängung auszuscheiden.

Ein Sieg kam des Weges für Masten in seinem dritten Rennen, einer Veranstaltung in Stillwater, Oklahoma, und sein Schwager Duncan belegte den zweiten Platz in einem Jaguar. Dieser Jaguar, den Duncan fuhr, war ein cremefarbener C-Typ, den Masten in Sebring gekauft hatte. Von diesem Zeitpunkt an fuhr Masten diesen Wagen selbst und es folgten weitere Siege und gute Placierungen.

Er gewann die Guardsman Trophy im Golden Gate Park von San Francisco, genauso wie das Rennen auf der Offut Air Force Base in Omaha, Nebraska - letzteres vor einer Kulisse von 50 000 Zuschauern (was vermutlich das grösste Publikum für ein SCCA-Rennen zu jener Zeit war). Nachdem er bei einem Rennen auf der Chanute Air Force Base eine schwarze Flagge erhalten hatte, bewies Masten seinen charakteristischen Sinn für Humor, als er beim nächsten Rennen schwarze Flaggen als Hintergrund für seine Startnummer 28 auf sein Auto malte.

Am Ende des Jahres 1953 betrachtete man Masten als den besten Jaguar-Fahrer in den Vereinigten Staaten. Seine Siege, zusammen mit einer Reihe zweiter Plätze in jener Saison, halfen ihm dabei, zum ersten Male eine Einladung zu einem internationalen Sportwagenrennen zu erhalten - einer Veranstaltung in Buenos Aires im Januar 1954. Er zeigte eine bewundernswerte Leistung bei den 1000 Kilometern von Buenos Aires, bis Probleme mit der Wasserpumpe ihn nur auf Platz 14 ins Ziel kommen liessen.

Masten, der etwa 1 Meter 80 gross war und dabei weniger als 70 Kilogramm wog, sah für sein Alter sehr jung aus. Als er zum ersten Mal nach Europa zu einem Rennen kam, entfuhr es seinen Konkurrrenten plötzlich, sie würden gegen "Dieses Kind" fahren. Mit seinem Co-Pilot Bob Said belegte er Platz 9 (Platz 2 in seiner Klasse) bei der Tourist Trophy in Dundrod. 1955 ging er nach Le Mans, aber sein Co-Pilot Mike Sparken erlitt sehr früh im Rennen einen Kolbenbruch am 3-Liter-Ferrari, Masten kam so nicht zum Fahren. Jedoch kam er im gleichen Jahr zurück nach Dundrod, um in der Tourist Trophy zu starten, wo er mit Carroll Shelby ein Team bildete und Platz 9 im Gesamtklassement belegte, sowie den Klassensieg mit einem Porsche 550 Spyder davontrug. 1956 verbrachte er meistens damit, verschiedene SCCA-Rennen zu fahren und diese oft zu gewinnen.

Sein Durchbruch kam nach einem Sportwagenrennen im Jahre 1957, als er mit drei anderen Fahrern die 1000 Kilometer in Argentinien gegen all die internationale Konkurrenz gewann. Diese imposante Leistung brachte ihm einen Formel 1-Einsatz für Mimo Dei`s Scuderia Central Sud in, einem Privatteam, das Maseratis 250F einsetzte. Mastens erster Start in einem Formel 1-Grand Prix war auf dem berühmtesten Strassenkurs der Welt: Monte Carlo. In diesem Rennen wurde Masten der erste Amerikaner in der Geschichte der Formel 1, der einen Podiumsplatz in einem Weltmeisterschaftslauf mit seinem brillianten dritten Platz beim Grand Prix von Monaco errang. Es war wirklich beeindruckend, denn in der fünfzigjährigen Geschichte der Formel 1 passierte es nur 13 mal, das ein Fahrer bei seinem ersten Grand Prix Start einen Podiumsplatz belegte (ohne mehrfach besetzte Autos).

Dieser guten Leistung folgte für Masten ein achter Platz beim Grand Prix von Deutschland auf dem Nürburgring, ein vierter Platz beim Grand Prix von Pescara und ein weiterer vierter Platz beim Grand Prix von Italien in Monza zu Saisonende. Er beendete die Weltmeisterschaft auf Platz 6, obwohl er nur an der Hälfte aller Rennen teilnahm. Erstaunlicherweise errang Masten all diese Erfolge in seinem Debutjahr gegen die Werksteams von Ferrari, Maserati, Vanwall, Cooper und B.R.M.

Unglücklicherweise hielten ihn Verletzungen im Jahre 1958 davon ab, an viele Rennen teilzunehmen, aber es gab auch kaum Zweifel daran, dass die Zeit des Maserati 250F abgelaufen war. Jedoch gelang es Masten immerhin, den Grand Prix von Marokko zu Saisonende auf dem sechsten Platz zu beenden. Die Verletzungen, die er sich während der Saison 1958 zuzog, waren das Ergebnis eines seiner bekannten Hochgeschwindigkeitsunfälle während eines Sportwagenrennens in Silverstone. Wann immer Masten mit einem grossen Unfall konfrontiert war, stand er im Cockpit seines Autos auf und sprang heraus, bevor es krachte. Kurz nach dem Unfall rief ihn Riddelle im Krankenhaus an. Masten erklärte ihm, dass er das Auto aus der Kontrolle verlor, als er in einer Kurve auf das Gras kam, weil plötzlich ein "kleiner Porsche" vor ihm die Fahrbahn kreuzte. Als Riddelle ihn fragte, warum er denn aus dem Auto gesprungen sei, antwortete er: "Du hättest mal sehen sollen, mit was ich da kollidiert wäre. Mit einem massiven Erdwall."

Im Jahre 1959 erhielt Masten seinen besten Formel 1-Platz als Fahrer Nummer 3 bei Cooper hinter Jack Brabham und Bruce McLaren. Er holte seinen zweiten Podiumsplatz seiner Karriere mit einem dritten Platz beim Grand Prix von Holland in Zandvoort. In Montsanto, beim Grand Prix von Portugal, erzielte Masten das beste Formel 1-Ergebnis seiner Karriere mit einem zweiten Platz hinter Stirling Moss. Allerdings produzierte er in Goodwood wiederum einen seiner berüchtigten Sportwagenunfälle, als an seinem Jaguar die Lenkung brach. Als Folge musste er die letzten beiden Grand Prix der Saison auslassen.

Trotz der Tatsache, dass er wegen dieser Verletzungen einige Rennen auslassen musste und überdies auch mechanische Probleme erlitt, wurde Masten achter in der Weltmeisterschaft, während Jack Brabham den Titel gewann. Brabhams, McLarens und Mastens Leistungen halfen Cooper, ihre erste Konstrukteurweltmeisterschaft zu gewinnen.

Doch im Jahre 1960 wurde Mastens Vertrag mit Cooper nicht erneuert, etwas, was ihn sehr verbitterte. In dem Buch American Grand Prix Racing von Tim Considine erklärte Carroll Shelby, dass Masten deswegen von Cooper entlassen wurde, weil er schneller als Jack Brabham war, und Brabham draufhin Cooper veranlasste, Masten zu feuern. Auch nach Aussagen von Riddelle war Masten selbst dieser Meinung. Während wir niemals die wahren Gründe für Mastens Entlassung erfahren werden, entschied sich Cooper ein Zwei-Auto-Team für die Saison 1960 zu werden. Und ob dies auf Betreiben des neuen Weltmeisters Jack Brabham geschah oder nicht, ist nicht mit Sicherheit bekannt. So weit als Masten schneller war als "Black Jack" Brabham, bekam er normalerweise weder die Technik noch die Aufmerksamkeit im Cooper Team, dies als dritter Fahrer auch zu zeigen. Jedoch erreichte er in jener Saison eine pole position und einen neuen Streckenrekord beim nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Grand Prix von Aintree. Ausserdem qualifizierte er sich bei den letzten beiden Grand Prix, bevor er seine Verletzungen erlitt, direkt hinter Brabham.

Auch erzielte er das beste Grand Prix Ergebnis seiner Karriere, den zweiten Platz im Grand Prix von Portugal, der sein letztes Rennen für Cooper war, bevor die Verletzungen seine Saison stoppten. Es muss auch betont werden, dass sich Masten in vier von sechs Rennen, in denen sie in den verausgegangenen Jahren gegeneinander fuhren, vor Brabham qualifizierte und sich auch vor diesem placierte.

Eine Sache ist sicher: Masten war konstant schneller als McLaren, als sie in jener Saison Kopf an Kopf in die Formel 1 und auch in die Formel 2 gingen. Jedoch blieb McLaren im Team, während Mastens Vertrag nicht erneuert wurde. Brabham machte sich daran, eine weitere Weltmeisterschaft für Cooper zu gewinnen, während Masten fortan seine Formel 1-Karriere damit verbrachte, generell unzuverlässige und weniger konkurrenzfähige Autos für verschiedene private Teams wie Scuderia Centro Sud, Camoradi International, UDT Laystall, Tim Parnell und Reginald Parnell Racing zu fahren.

Die besten Ergebnisse vor dem Ende seiner Karriere im Jahre 1965 erzielte Masten in der Saison 1962, als er einen Lotus 24 für das UDT Laystall Team fuhr. Er wurde siebenter im Grand Prix von England in Aintree, sechster beim Grand Prix der USA in Watkins Glen und gewann das nicht zur Weltmeisterschaft zählende Kannonloppet Formel 1-Rennen in Karlskoga, Schweden. Beim Grand Prix von Frankreich lag er auf dem vierten Platz hinter Dan Gurney (dem späteren Sieger), bevor er mit Zündungsproblemen aufgeben musste. Sonst hätte es ein interessantes Szenario gegeben, wo zwei Amerikaner um ihren ersten Grand Prix Sieg gekämpft hätten.

Mastens Talent und seine Bindung an den Grand Prix Sport hätte ihm ein günstigeres Schicksal verdienen lassen. Er gab sich so sehr der Suche nach einem konkurrenzfähigen Formel 1-Cockpit hin, dass er während der fünfziger Jahre sogar mit seiner Frau und den Kindern nach Italien umzog, in eine Villa gegenüber der Ferrari-Fabrik. Jedoch die beste Möglichkeit, die ihm Enzo Ferrari anbieten konnte, war die Position eines Nummer 4-Fahrers, der nur zwei oder drei Grand Prix pro Jahr hätte bestreiten können. Wie auch immer, es ist sehr wahrscheinlich gewesen, dass Masten der erste Amerikaner geworden wäre, der einen Formel 1 Grand Prix und möglicherweise auch die Weltmeisterschaft gewonnen hätte, hätte er nach seiner gelungenen Debutsaison einen Platz in einem Werksteam gefunden. Diese Ziele wurden später von Phil Hill erreicht, als er 1960 den Grand Prix von Italien gewann und 1961 den Weltmeistertitel für Ferrari holte.

Glücklicherweise ging es mit Mastens Sportwagenkarriere nach seiner Entlassung bei Cooper wieder aufwärts. Bei den 24 Stunden von Le Mans 1960 fuhr er in der Anfangsphase die schnellste Runde mit seinem Vogelkäfig-Maserati T61, obwohl er später mit Elektrikschaden aufgeben musste. Dies war das erste Mal, dass ein Amerikaner in Le Mans die schnellste Runde fuhr. In einem Artikel mit einem Le Mans-Rückblick wurde geschrieben, dass Masten in der Anfangsphase des Rennens so schnell fuhr, dass der turbinenengetriebene Hubschrauber, der über ihm flog, auf der Mulsanne-Geraden nicht mehr mitkam.

Im Jahr 1961 gewann Masten das 1000-Kilometer-Rennen auf dem stets heimtückischen Nürburgring in einem Vogelkäfig-Maserati und mit Llloyd "Lucky" Casner, obwohl er keinen Sponsor hatte und sich nach dem Abschlusstraining sogar Reifen ausleihen musste. In Le Mans des gleichen Jahres erzielte er sein bis dahin bestes Ergebnis mit seinem Co-Piloten Bob Holbert, einem fünften Platz im Gesamtklassement und einem Klassensieg in einem Porsche RS61 Spyder. Im folgenden Jahr gewann Masten den Grand Prix von Kanada 1962 für Sportwagen mit einem Lotus 19-Climax.

Im Jahr 1964 begann die Ford Motor Company mit ihrer Jagd auf Ferrari und suchte sich dafür das prestigeträchtigste Sportwagenrennen in der Welt, Le Mans, aus. Masten war einer der ersten Fahrer, die in jenem Jahr von Ford für ihren GT40 in Le Mans verpflichtet worden waren. Er fuhr zusammen mit Richie Ginther in einem der GT40 und die Dinge sahen sehr vielversprechend aus, als das Team am Anfang des Rennens für eine Weile die Führung übernahm. Ein langsamer Boxenstop liess das Team auf den zweiten Platz zurückfallen, diese Position während des Abends aber behaupten, ehe das Auto in der fünften Stunde wegen Getriebeschadens ausfiel.

Seltsamerweise hat Masten schliesslich das 24 Stunden-Rennen von Le Mans in der folgenden Saison in einem Ferrari 275LM des North American Racing Teams vor einer Zuschauermenge von 250 000 gewonnen. Er fuhr zusammen mit Jochen Rindt und die beiden umrundeten den 8,365 Meilen langen Kurs mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 121 mph. Es war das erste Mal, dass ein amerikanischer Bewerber dieses prestigeträchtige Rennen gewonnen hatte. Auch war es ein unerwarteter Sieg, weil es bereits acht Jahre her war, dass ein Privatteam Le Mans gewonnen hatte.

Dies war mit Sicherheit der grösste Erfolg in Mastens Karriere. Es war ausserdem ein grossartiger Sieg für Goodyear, da zum ersten Mal ein mit Goodyear-Reifen ausgerüsteter Wagen ein internationales Rennen gewonnen hatte. Es ist interessanterweise das letzte Mal, dass ein Ferrari in Le Mans gewonnen hatte.

Ebenso in 1965 war es, dass Masten zum ersten und einzigen Mal an den 500 Meilen von Indianapolis teilnahm und zwar in einem von George Bryant gesponsorten BRP Ford. George Bryant war Mastens Stiefvater und, wie Riddelle bemerkte, war seine Mutter nicht davon begeistert, dass er Rennen fuhr. Besonders gefiel ihr die idee nicht, dass ihr Mann ihren Sohn sponsorte. Masten qualifizierte sich nur für die letzte Reihe (31. Platz), doch diese Startposition behinderte ihn nicht. Er überholte in der Startrunde 14 Autos und lag auf dem fünften Platz, bevor ein Motorschaden sein grossartiges Rennen beendete.

Dann setzte Masten seine internationale Sportwagen-Karriere mit den folgenden Highlights fort: Ein zweiter Platz in einem Ford GT40 mit John Whitmore als Partner beim 1000 Kilometer-Rennen von Monza 1966; ein Klassensieg und der vierte Platz im Gesamtklassement mit Co-Pilot Richard Brostrom in einem Porsche 908/2 beim Grand Prix von Österreich in Zeltweg 1969; und ein dritter Platz in einem Alfa Romeo T33/3 mit Toine Hezemans bei den 12 Stunden von Sebring. Schliesslich entschied sich Masten nach dem Tod seines langjährigen Freundes Jo Bonnier in Le Mans 1972 auf Distanz zum aktiven Motorsport zu gehen.

Masten ist niemals offiziell zurückgetreten. Er erzählte seinem Bruder, dass soviele Fahrer ihren Rücktritt erklärt hätten und dann wieder gekommen wären, so dass er einfach aufgehört hätte, Rennen zu fahren.

Sicherlich, die Gefahren, die mit dem Motorsport untrennbar verbunden sind, dürfen nicht unausgesprochen bleiben. Masten hatte nicht nur seinen langjährigen Freund Jo Bonnier bei seinem Unfall in Le Mans sterben gesehen, sondern eine Reihe anderer Mitkonkurrenten bei Rennunfällen umkommen gesehen. Masten selbst hatte während seiner Karriere sieben schwere Unfälle, von denen jeder einzelne im Himmel hätte enden können.

Er wurde unfairerweise von einigen Kritikern als Bruchpilot bezeichnet und man sagte auch, er habe sich selbst seine Karriere zerstört. Die Aufzeichnungen beweisen aber, dass Masten in den Formel 1-Rennen keine Unfälle verursachte, auch nicht in den nicht zur Weltmeisterschaft zählenden Grand Prix, tatsächlich passierten alle seine Unfälle in Sportwagenrennen.

Auf der Rennstrecke benahm sich Masten stets wie ein Ritter und es machte ihm nichts aus, voll am Gas zu bleiben, was nur Gutes ahnen liess für jemanden, der privates Material gegen die Werksteams fuhr. Einmal sagte er: "Ganz ehrlich, wenn ich nicht im Motorsport tätig gewsen wäre, dann hätte ich etwas anderes Risikoreiches gemacht, weil es die Momente des Risikos sind, die den Rest des Lebens erträglich, wertvoll und wunderbar machen." In einem Interview, in dem er seine Karriere reflektierte, sagte er: "Als ich etwa 32 oder 33 Jahre alt war, wurde mir bewusst, dass ich für diesen Abschnitt meines Lebens nicht einmal gewusst hätte, dass ich überhaupt 30 werden würde. Ich hatte keinerlei Pläne gemacht, weil ich es nicht für wichtig gehalten hatte. Stirling Moss sagte mir ganz direkt, dass ich mich umgebracht hätte, kurz nachdem ich nach Europa kam. Jeder dachte, dass ich mich umgebracht hätte, und rückblickend bin ich überrascht, dass das nicht passiert ist. Hauptsächlich fuhr ich instinktiv. Ich wusste ja eigentlich gar nichts über den Rennsport. Ich glaube, ich hatte nur etwas Naturtalent."

Riddelle bestätigte, dass Masten nicht glaubte, seine Rennkarriere lebend zu überstehen, als er sich lebendig daran erinnerte, dass Masten ihm einstmals sagte: "Wenn ich sterbe, dann begrabe mich irgendwo. Am Strassenrand, das wäre nett." Doch glücklicherweise schaffte es Masten, zwei der gefährlichsten Jahrzehnte in der Geschichte des Motorsport zu überleben. Ironischerweise starb der Mann, den man am Anfang seiner Karriere The Kansas City Flash nannte und der bei so vielen Gelegenheiten dem Tod von der Schippe gesprungen war, an einem Herzinfarkt, erlitten am 8 November 1985 auf seiner Winterresidenz in Porto Ercole, Italien, während er schlief und im Alter von 53 Jahren.

Es ist sehr schade, dass die Geschichtsbücher nicht exakt die Leistungen widergeben, die Masten als Fahrer erbracht hat. Er hatte eine sehr wagemutigen und aggressiven Fahrstil, der ihn schneller machte, als die meisten europäischen Spitzenfahrer seiner Zeit. Mit einer einfachen Umkehrung des Schicksals hätte Masten jenes konkurrenzfähige Material bekommen können, das ihn zu einer Ikone des amerikanischen Rennsports gemacht hätte. Als amerikanischer Grand Prix Pilot war er seiner Zeit weit voraus und es ist wirklich schade, dass er niemals die Reputation und den Ruhm erlangte, die diejenigen erzielten, die in diesem Sport nach ihm kamen.

Wie auch immer, gleichgültig was die Geschichtsbücher sagen, und was seine Mitbewerber über ihn sagen, er war ohne Zweifel ein aussergewöhnliches Talent und in jeder Hinsicht ein Held. Renn-As Dan Gurney hatte eine sehr hohe Meinung von Masten, sowohl als Mensch als auch als Fahrer, und er vertrat die Ansicht, er hätte eine spezielle Begabung gehabt - die Begabung, extrem schnell zu fahren, und natürlich, dass er sehr tapfer war. Jim Clark, der Masten als sein Vorbild betrachtete, war Teampartner des Amerikaners bei einem Sportwagenrennen in Goodwood 1959, und er sagte, Masten war auf dem Weg, ein Star-Fahrer zu werden. Er selbst hatte Schwierigkeiten, im selben Auto Mastens Rundenzeiten zu egalisieren. Carroll Shelby sagte, Masten konnte an manchen Tagen so schnell sein wie niemand anderes.

Überraschenderweise haben nur relativ wenige Motorsport Fans aus Kansas City schon von Masten Gregory gehört. Es erscheint auch schon als ziemlich peinlich, wenn ein Fahrer von seinem Talent und seiner Tapferkeit von seiner Heimatgemeinde so ungehört und unbeachtet wird. Mastens Tod ging in der Presse ziemlich unter. Die Zeitung Kansas City Star hatte nur einen zweizeiligen Artikel über sein Ableben gebracht, und zwar nicht im Sportteil, sondern in der Rubrik Nachrufe, wo ihn die wenigsten Motorsport Fans vermuteten.

In unserer Stadt haben wir einen Boulevard im Hollywood Stil, der ins Leben gerufen worden ist, um die Persönlichkeiten des Sports, die unserer Heimatstadt angehören und in ihr aufgewachsen sind, zu ehren; er wird The Kansas City Sports Walk of Stars genannt. Viele grosse Athleten und Persönlichkeiten sind dort verewigt worden, so der PGA Golfer Tom Watson, der Olympia-Läufer Jim Ryun genauso wie viele Baseball- und Football-Spieler, die für Mannschaften aus Kansas City angetreten waren. Masten Gregory ist dort nicht zu finden.

Masten Gregory ist das beste Beispiel für einen Helden, der überall auf der Welt Kopf und Kragen riskiert. Er verdient deshalb viel grössere Beachtung, als dies der Fall ist.

 

Grand Prix Journal Online bedankt sich herzlich beim Autor für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Artikels in deutscher Sprache. Michael Cox, U.S.A., schreibt unter anderem für die Internetseite ATLAS F1 . Bitte senden Sie Kommentare zu diesem Beitrag in englischer Sprache an: mastoidfan@yahoo.com

 

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